Eine Geschäftsidee kostet nichts, solange sie eine Idee bleibt — teuer wird sie in dem Moment, in dem ich anfange zu bauen. Deshalb prüfe ich jede Idee vor der ersten Zeile Code mit einem festen Raster: vier Tore, nacheinander. Ist eines verschlossen, ist die Entscheidung gefallen. Es gibt keine Punktzahl, keinen Abwägungs-Score, kein „aber die anderen drei sind doch stark“. Ein verschlossenes Tor ist ein Nein.
Tor 1: Recht — darf ich das ohne Sondererlaubnis?
Rechtsdienstleistung, Steuerberatung, Aussagen zur Gesundheit: Für ganze Tätigkeitsfelder verlangt das Gesetz eine Zulassung oder Erlaubnis. Ich prüfe deshalb zuerst, ob die Idee eine solche Erlaubnis voraussetzt, die ich nicht habe — und im Zweifel klärt das ein Fachanwalt, bevor irgendetwas gebaut wird. Eine Idee, die an diesem Tor hängt, baue ich nicht auf Hoffnung.
Tor 2: Kasse — zahlt am Ende jemand?
Die zweite Frage hat zwei Hälften: Gibt es jemanden, der für die Lösung Geld ausgibt — und wem fließt dieses Geld heute schon zu? Die zweite Hälfte wird gern übersprungen. Ein Markt, in dem alle Anzeigenplätze längst von Konzernen gekauft sind, ist kein leerer Markt. Er ist ein teurer. Wer dort einsteigt, bezahlt den Eintritt in Werbebudget oder in Jahren organischer Sichtbarkeitsarbeit — beides muss die Kalkulation tragen, sonst ist das Tor zu.
Tor 3: Anschluss — knüpft die Idee an vorhandene Stärken an?
Jede Idee ohne Anschluss an das, was ich bereits kann, beginnt bei null: neues Fachgebiet, neue Werkzeuge, neue Kontakte. Das heißt zwei Lernkurven auf einmal — eine für das Handwerk, eine für den Markt. Ideen mit Anschluss starten dagegen mit einem Vorsprung, der sich kaum kaufen lässt. Das Tor fragt nüchtern: Wie viel vom Fundament steht schon?
Tor 4: KI-Resistenz — beantwortet die Maschine die Frage bereits?
Wenn eine KI-Suche die Kernfrage der Idee vollständig und korrekt beantwortet, ist das Feld für mich verloren: Kaum jemand klickt noch auf ein Portal, dessen Inhalt die Antwortmaschine in einem Absatz liefert. Offen bleibt das Feld dort, wo die Antwort fragmentiert ist — je Stadt, je Bundesland, je Satzung anders — und niemand die Daten systematisch pflegt. In unseren Stichproben hat die Maschine dort Angaben frei erfunden (im KI-Jargon: halluziniert), sich widersprochen oder ausdrücklich an die Verwaltung verwiesen — genau dort entsteht Raum für gepflegte Quellen.
Zwei verworfene Beispiele
Wie das in der Praxis aussieht, zeigen zwei Ideen, die es nicht durch das Raster geschafft haben:
- Portal „Balkonkraftwerk anmelden“ — 27.100 Suchen pro Monat (Quelle: Ubersuggest, Stand Juli 2026). Klingt nach Geschäft. Aber die Anmeldung läuft bundesweit über ein einziges Register, das Marktstammdatenregister — und in unserer Probe erklärte die KI-Suche den Ablauf vollständig in einem Absatz. Tor 4 verschlossen. Verworfen.
- Portal „Angelschein/Jagdschein je Bundesland“ — die Gebühren sind nach unserer Recherche je Bundesland geregelt: 16 Werte statt tausender Städte-Werte, also kein Fragmentierungs-Vorteil. Zusätzlich waren die Trefferlisten in unserer SERP-Probe von Kursanbietern mit Stadt-Landingpages besetzt. Tor 2 und Tor 4 verschlossen. Verworfen.
Und wo alle Tore offen stehen
Es gibt den Gegenfall: Behörden-Gebühren, die je Kommune in Satzungen versteckt sind, mit widersprüchlichen Angaben in den KI-Antworten. Dort kapitulierte die Maschine in unseren Stichproben. Fragmentierte, ungepflegte, kommunal verstreute Daten waren für die Antwortmaschinen ein blinder Fleck. Für den, der die Pflege übernimmt, sind sie ein Feld.
Was das Raster leistet
Bei uns sterben die meisten Ideen an Tor 2 und Tor 4: Entweder fließt das Geld schon woandershin, oder die Maschine hat die Frage bereits beantwortet. Beides lässt sich in Stunden prüfen statt in Monaten erfahren. Eine früh verworfene Idee ist gespartes Geld — gespartes Werbebudget, gesparte Bauzeit, gesparte Lernkurve. Was durch alle vier Tore kommt, landet auf dem Prüfstand; was dort geprüft wurde, dokumentiere ich im Befunde-Archiv.